Ist Segelfliegen teuer?
Schwer zu sagen. Ein Verein ermöglicht einem eine relativ kostengünstige
Ausbildung, da die Fluglehrer und alle anderen Funktionsträger ehrenamtlich tätig sind.
Eine Flugschule kann bei den Preisen nicht mithalten. Aber um in Zahlen zu reden, die
Fliegerei kostet bei uns ca. 500 Euro pro Jahr. Für
detailliertere Informationen schauen Sie sich unsere Gebührenordnung
an. In Anbetracht dessen, daß selbst Flugschüler unsere besten Flugzeuge im Werte von
über 60.000 Euro fliegen dürfen, erscheint der Jahresbeitrag doch eher gering.
Ist Fliegen gefährlich?
Eine Frage die nicht so leicht zu beantworten ist. Natürlich ist
Segelfliegen gefährlicher als manch andere Hobbies. Zur ersten Pflicht eines jeden
Piloten gehört es, die Gefahren zu erkennen und das Risiko zu minimieren. In der
Ausbildung wird dies immer und immer wieder gelehrt. Mit einem gesunden
Verantwortungsbewußtsein und einer guten Ausbildung macht man einen großen Schritt in
Punkto Flugsicherheit. Trotzdem: Ein Restrisiko durch menschliches Versagen läßt sich in
der Fliegerei nicht ausschließen. Und - Draufgänger sind in diesem Sport nicht gefragt!
Wie alt muß ich sein? Wie alt darf ich sein?
Die Ausbildung zum Segelflugzeugführer kann man mit 14 Jahren beginnen.
Ein Höchstalter gibt es nicht. Lediglich ein fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis wird
benötigt. Der Luffahrerschein wird allerdings erst am 17. Geburtstag ausgehändigt, auch
wenn man die Prüfung schon vorher abgelegt hat. Er gilt dann für zwei Jahre und kann
verlängert werden, wenn man die erforderlichen Mindestflugleistungen innerhalb dieser
Zeit erbracht hat und der Fliegerarzt einverstanden ist.
Braucht man einen Führerschein für Flugzeuge?
Ja, in der Fliegerei heißt dieser Schein dann Luftfahrerschein oder auch
Privatpilotenlizenz (PPL). Zur Erlangung der Lizenz für Segelflieger (PPL-C) gibt es drei
Ausbildungsabschnitte (A-Prüfung: endet mit dem ersten
Alleinflug; B- und C-Prüfung: erweitert und vertieft die fliegerischen Fertigkeiten.)
Bestandteil eines jeden Prüfungsabschnitts ist jeweils ein theoretischer und ein
praktischer Teil.
Welche Voraussetzungen muß ich erfüllen?
Vorraussetzungen für die Ausbildung gem. §24 I LuftVZO:
* Mindestalter bei Beginn der Ausbildung (§23 II LuftVZO)
- Segelflug 14 Jahre
- Motorsegler 17 Jahre
* Ärztliches Tauglichkeitszeugnis (§24a LuftVZO)
* Es dürfen keine Tatsachen vorliegen, die den Bewerber als untauglich erscheinen
lassen. (§24 II LuftVZO)
* Bei Minderjährigen die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters.
* Erforderliche Unterlagen gem. §24 III LuftVZO:
- Geburtsurkunde oder Auszug aus dem
Familienbuch
- Ärztliches Tauglichkeitszeugnis
- Erklärung über schwebende
Strafverfahren
- Erklärung darüber, daß ein
Führungszeugnis beantragt worden ist.
- Bei Minderjährigen eine amtlich
beglaubigte Zustimmungserklärung des ges.
Vertreters.
Wie lange dauert die Ausbildung?
Wenn man genügend Engagement mitbringt sind zwei Jahre realistisch.
Allerdings sind dann die Wochenenden bei schönem Wetter auf dem Flugplatz verplant. Zum
Fliegen im Verein gehört aber auch die Mitarbeit in der Werkstatt oder bei
Arbeitseinsätzen.
Wann darf man alleine fliegen?
Im allgemeinen hängt es von jedem selbst ab, nach welcher Zeit man den
ersten Alleinflug macht. Das kann nach 2 Monaten oder erst nach einem halben Jahr der Fall
sein. Bei der Schulung im Verein stehen für die Ausbildung in der Regel nur die
Wochenenden und Feiertage zur Verfügung. Wie beim Führerschein auch hat das Lebensalter,
die Auffassungsgabe und das Gefühl für den Umgang mit Technik einen Einfluß auf die
Dauer der Ausbildung.
Welche Krankheit macht fluguntauglich?
Die Frage nach der Brille wird häufig gestellt. Selbstverständlich ist
eine Brille wie beim Autofahren kein Hindernis, vorausgesetzt Deine Augen sind gesund und
Du siehst mit Brille normal. Problematisch wird es ab plus/minus 4 Dioptrien. Krankheiten,
die fluguntauglich machen, sind z.B. Herzfehler, Zuckerkrankheit und Asthma.
Grundsätzlich stellt jedoch der Fliegerarzt Deine körperliche Tauglichkeit fest.
Wer fliegt bei uns?
Leute aus allen Berufs- und Altersschichten, die Spaß an diesem Sport
gefunden haben und bereit sind, genügend Zeit und Engagement mitzubringen.
Fliegen nur Männer?
Natürlich nicht. Auch Frauen fliegen. Zugegebenermaßen ist aber der
Anteil der Männer in den meisten Vereinen höher als der der Frauen. Niemand hat etwas
dagegen wenn sich das ändert!
Wie fliegt ein Flugzeug?
Ein Körper, der ein Medium, z.B. Luft, durchströmt, ist folgenden
Kräften ausgesetzt:
Luftwiderstand, Auftrieb und Gewichtskraft.
Beim stationären Gleitflug eines Segelflugzeuges müssen diese drei Kräfte ein
Gleichgewicht bilden und zwar in vertikaler Richtung: Auftrieb = Gewichtskraft,
und in horizontaler Richtung: Luftwiderstand = Vortrieb

Ist der Auftrieb kleiner als die Gewichtskraft, so wird das vertikale Gleichgewicht nicht
mehr eingehalten und das Flugzeug sinkt. Um das horizontale Gleichgewicht aufrecht zu
erhalten, muß eine Antriebskraft erzeugt werden. Dies geschieht bei Motorflugzeugen durch
den Motor und den Propeller, der Schub erzeugt. Da das Segelflugzeug über keinen Antrieb
verfügt, kann es nur über einen abwärts gerichteten Gleitflug, bei dem der Vortrieb
eine Komponente der Gewichtskraft darstelle, im stationären Gleichgewichtszustand
bleiben.

Die Tragflächen eines Segelflugzeuges erzeugen bei entsprechender Anströmung eine nach
oben gerichtete Kraft: den Auftrieb.
Ein einfaches Denkmodell hilft dieses Phänomen zu verstehen:
Man stelle sich vor, die den Flügel anströmende Luft teilt sich an der Flügelnase in
zwei Teilchen. Das obere Teilchen muß in der gleichen Zeit einen etwas längeren Weg als
das untere Teilchen zurücklegen, an der Oberseite entsteht dadurch ein Unterdruck, an der
Unterseite entsteht Überdruck. Je stärker die Anströmung, desto stärker wird der
Auftrieb an den Tragflächen. Daneben wird allerdings bei steigender Geschwindigkeit des
Flugzeuges auch der Luftwiderstand größer.
Jedes Flugzeug hat bestimmte Flugeigenschaften bzw. Flugleistungen. Dazu
gehören insbesondere:
* Mindestgeschwindigkeit: Das Segelflugzeug muß mindestens so schnell fliegen,
damit die Tragflächen genug Auftrieb erzeugen, um das Flugzeug in der Luft zu halten.
(liegt etwa bei 60 - 70 km/h).
* Höchstgeschwindigkeit: Sie darf niemals überschritten werden. Bei noch
höheren Geschwindigkeiten würden die Tragflächen durch die starken Luftkräfte
überbelastet und abbrechen. (liegt etwa bei 200 - 300 km/h).
* Gleitverhältnis: Das Gleitverhältnis gibt an, wie weit ein Flugzeug in
ruhiger, ungestörterLuft gleiten kann. 1:40 bedeutet, daß man aus 1000 m Höhe 40 km
weit segeln könnte. "normale" Segelflugzeuge bewegen sich zwischen 1:25 bis
1:45, Hochleistungssegelflugzeuge der Spitzenklasse sogar bis 1:60.
* Geringstes Sinken: etwa in der Größenordnung von 60 cm pro Sekunde. (In
ruhiger Luft könnte man somit aus 1000 Meter Höhe etwa 25 Minuten segeln.)
Die Mindestgeschwindigkeit ist insbesondere abhängig vom Gewicht des Segelflugzeugs und
vom Profil der Tragflächen, während die Höchstgeschwindigkeit insbesondere von der
Bauweise (Holz, GFK, Gemischtbauweise, etc.) abhängt.
Das Gleitverhältnis und das geringste Sinken eines Segelflugzeuges sind nur vom
Auftriebsbeiwert und vom Widerstandsbeiwert, und somit nur von der Bauform (Form,
Oberflächenbeschaffenheit, Profil, Spannweite, etc.) abhängig.
Wie kann ein Segelflugzeug stundenlang
oben bleiben?
Wie kommen beim Segelflug Strecken von über 1000 km zustande? Ganz
einfach, indem man natürliche Aufwinde nutzt. Bei einem Sinken des Segelflugzeuges von
ca. 0,5 m pro Sekunde würde ein Aufwind von 2 m/s, und das ist keine Seltenheit, das
Flugzeug innerhalb von 10 min auf eine Höhe von 900 m tragen. Die so gewonnene Höhe kann
man dann wieder abgleiten, um den nächsten Aufwind zu suchen. Bekannte Aufwindformen sind
der Hangwind, die Thermik und der Wellenaufwind.
Der Hangwind
Häufig wird Otto Lilienthal als erster Segelflieger bezeichnet, eine
Aussage, über die sicher längere Abhandlungen geschrieben werden könnten. Tatsächlich
war er einer der ersten, der die Kräfte, die auf natürliche Weise in der Atmosphäre
wirken, für seine Flüge ausnutzte. Dabei benutzte er den gegen seinen Übungshügel in
Berlin anblasenden Wind, um seine Luftsprünge schließlich auf eine Länge von über 300
m auszudehnen. Es gelang ihm, kurzzeitig höher zu fliegen, als sein Startplatz
gelegen war, was nach heutiger Definition den Segelflug vom Gleitflug unterscheidet.
Dieser Hangaufwind, der Lilienthals Flüge unterstützte, war die Energiequelle, die
später die Segelflieger zuerst bewußt für sich ausnutzten. Dieser Aufwind ist in seiner
Wirkungsweise auch am leichtesten zu verstehen. Ein Wind, der in der Ebene horizontal
weht, wird durch ein Hindernis nach oben abgelenkt. Im aufsteigenden Teil des Luftstromes
kann sich ein Segelflugzeug nach oben tragen lassen. Solche Aufwinde reichen mitunter
doppelt so hoch wie das Hindernis. Der Hangaufwind war lange Zeit die einzige bekannte
Energiequelle für längere Flüge. Er ist auch die beständigste. Bis die Weltvereinigung
der Sportflieger (FAI) keine Dauerrekorde für Segelflüge mehr anerkannte, wurden alle
Dauerweltrekorde im Hangaufwind durchgeführt. Der längste anerkannte Rekordflug dauerte
immerhin rund 56 Stunden, nicht ganz doppelt so lange, wie Charles Lindbergh für seinen
Flug New York-Paris benötigte. Wohlgemerkt, allein in einem Einsitzer geflogen!
Leider hat der Hangaufwind einige wesentliche Nachteile. Erstens ist er nur in gebirgigen
Gebieten anzutreffen, und zweitens ist die Höhe, die man mit ihm erreichen kann, sehr
begrenzt. Er ist außerdem abhängig von Windrichtung und -geschwindigkeit. Längere
Streckenflüge schienen damit nicht möglich zu sein, immerhin erreichte Robert Kronfeld
in einem Ausnahmeflug 1929 über 100 Kilometer. Man befürchtete aber Ende der zwanziger
Jahre, daß die Begeisterung für den Segelflug bald erlöschen würde, wenn nicht eine
leistungsfähigere Energiequelle erschlossen werden konnte. Diese fand sich dann als die
heute bekannte Thermik.
Die Thermik
Seltsamerweise deutete zunächst niemand die Beobachtung, daß große Greif-
oder Wasservögel oft stundenlang ohne Flügelschlag auch im Flachland kreisend in der
Luft bleiben, als Zeichen für eine andere, vom Hangwind unabhängige Energiequelle. So
kam es, daß erste zufällige Flüge in solchen Aufwinden mangels einer besseren
Erklärung unter der Bezeichnung "Schwachwindflüge" bekannt wurden.Diese
Aufwinde entstehen, wenn Blasen aus warmer Luft vom Erdboden aufsteigen. Daher werden sie
auch thermische Aufwinde oder kurz "Thermik" genannt. Allerdings muß noch eine
zweite wichtige Voraussetzung erfüllt sein, damit wirklich nutzbare Aufwinde entstehen
können: die labile Luftschichtung. Der Wirkmechanismus dieser Aufwinde und die Bedeutung
der Luftschichtung wird bei einem kurzen Ausblick auf die Grundlagen der Physik deutlich:
Beim Aufstieg in die Höhe dehnt sich die Luft aus, da der Luftdruck abnimmt. Dadurch
nimmt gleichzeitig die Temperatur der aufsteigenden Luft ab. Wenn die Umgebungstemperatur
mit zunehmender Höhe gleich bleibt, hat die aufsteigende Luft aufgrund ihrer Abkühlung
in genügend großer Höhe schließlich die gleiche Temperatur wie die Umgebung. Dann
hört die Steigbewegung auf. Ein solche Temperaturverteilung heißt stabile
Schichtung und ist ungeeignet für die Entwicklung von Thermik. Da sich die Luft während
des Aufstiegs zwischen 0,6 und 1 Grad je hundert Meter abkühlt, würde eine anfangs
um 10 Grad wärmere Luftblase nur 1000 Meter steigen. In Wirklichkeit treten derart extrem
große Temperaturunterschiede praktisch nicht auf. Selbst ein großes Kraftwerk mit seinen
Kühltürmen würde nur einen wenige hundert Meter hoch reichenden Aufwind erzeugen
können. Trotzdem gelingt es Vögeln und auch Segelflugzeugen in der Thermik viel höher
zu steigen als nur wenige hundert Meter.
Nun weiß zumindest jeder, der schon einmal in den Bergen war, daß die
Umgebungstemperatur mit zunehmender Höhe normalerweise recht schnell abnimmt. Wesentlich
ist nun, wie schnell genau die Umgebungstemperatur mit zunehmender Höhe fällt. Wird es
schneller kälter, als die aufsteigende Luft während ihres Steigens an Temperatur
verliert, bleibt die aufsteigende Luft trotz ihrer Abkühlung immer wärmer als die
Umgebung. Dann steigt die Luft immer weiter, unter Umständen mehrere tausend Meter hoch.
Wenn eine solche Aufstiegsbewegung erst einmal begonnen hat, erfaßt sie auch die
umgebende Luft, die anfangs gar nicht wärmer war. Indem diese in höhere Lagen gelangt
und dabei langsamer abkühlt, ist auch diese Luft schließlich wärmer als die Umgebung
und trägt zum Aufwind bei. Aus der aufsteigenden Blase ist eine Art Schlauch geworden,
ein sogenannter Bart.
Diese Temperaturverteilung der Atmosphäre nennt man eine labile Schichtung. Die labile
Schichtung ist der tatsächliche Motor der thermischen Aufwinde und entsteht zum Beispiel,
wenn kalte Luft in ein Gebiet einfließt, in dem der Boden durch mehrtägigen Sonnenschein
erwärmt wurde. Dann erwärmt sich diese Luftmasse allmählich von unten her bis eine
labile Schichtung erreicht ist. Die thermischen Aufwinde führen dann solange zu einem
Temperaturausgleich zwischen unteren und oberen Luftschichten, bis wieder eine stabile
Schichtung entstanden ist.
Die Aufwinde benötigen bei labiler Schichtung dann nur noch einen kleinen Auslöser, um
sich zu entwickeln. Dies kann eine punktuelle Erwärmung durch Sonnenschein sein, z.B. ein
Fabrikdach. Oft reicht aber auch schon ein Traktor, der über ein Feld fährt, oder auch
nur eine Unregelmäßigkeit in der Landschaft wie eine Waldkante, ein kleiner Hügel oder
ein Sendemast.
Eine extreme Folge von hochreichenden labilen Schichtungen ist das Gewitter, das entstehen
kann, wenn die Luft auch gleichzeitig feucht ist. In den zwanziger Jahren geriet erstmals
ein Segelflieger namens Max Kegel zufällig in eine Gewitterwolke und fand sich etwa 2000
m höher wieder, nachdem er eine Viertelstunde orientierungslos in ihr herumgewirbelt
wurde. Diese Höhe nutzte er zu einem langen Gleitflug und landete rund fünfzig Kilometer
von seinem Startplatz entfernt. Das brachte ihm den Spitznamen "Gewittermaxe"
ein. Fortan waren Gewitterflüge recht populär, boten sie doch die Aussicht auf längere
Flüge außerhalb der Hangwindzone. Außerdem sind Gewitter einfach zu erkennen und
konnten somit gezielt angeflogen werden. Wie sich jedoch bald durch eine Reihe tragischer
Unfälle herausstellte, waren den Gewalten im Gewitter bei Aufwind- und Abwindstürmen von
über hundert Stundenkilometern weder Flugzeuge noch Piloten gewachsen. Dies gilt auch
heute noch, und kein vernünftiger Segelflieger würde freiwillig in ein Gewitter
einfliegen.
Die verwandte, aber im Vergleich zum Gewitter, harmlose Aufwindquelle Thermik blieb noch
eine Weile unzugänglich, da zunächst sehr wenig Wissen existierte und ein Bordinstrument
fehlte, das solche Aufwinde unmittelbar anzeigen kann. 1928 erfand Robert Kronfeld das
sogenannte Variometer, indem er sich die Tatsache zunutze machte, daß sich die Luft in
einem abgeschlossenen Gefäß ausdehnt, wenn das Flugzeug in die Höhe steigt und damit
der Außendruck sinkt. Die Luftströmung aus diesem Gefäß heraus (Steigen) und wieder
hinein (Sinken) wird mit einem empfindlichen Anzeigeinstrument sichtbar gemacht. Dadurch
war es erstmals möglich, sofort festzustellen, ob man mit dem Flugzeug gerade stieg oder
sank.
Die Segelflieger versuchen nun, durch enge Kreise möglichst im Zentrum dieser Aufwinde zu
bleiben. Wenn das obere Ende des Aufwindes erreicht ist, fliegt man mit hoher
Geschwindigkeit solange in Richtung der geplanten Strecke, bis die Höhe verbraucht ist.
Diese sogenannte Steilkreistechnik wurde 1930 von Wolf Hirth während eines Aufenthaltes
in den USA entwickelt. Als er, wieder in Deutschland, einmal nach langem Kreisen dennoch
auf einem Acker landen mußte, wurde er von einem verwunderten Zuschauer gefragt, ob sein
Flugzeug auch geradeaus fliegen könne.
Danach nahm der thermische Segelflug einen ungeheuren Aufschwung, schon bald gelangen
Flüge über mehrere hundert Kilometer. Heute ist der thermische Segelflug die wichtigste
Variante, insbesondere wenn es um Langstreckenflüge geht. Im Jahre 1987 lag der
Streckenweltrekord bei rund 1650 km (Ziel-Rück-Flug) und der Geschwindigkeitsrekord bei
158 km/h (Durchschnittsgeschwindigkeit über einer Distanz von 750 km).
Auch in der Umgebung unseres Flugplatzes ist die Thermik nahezu die einzige Aufwindart,
die nutzbar ist. Als gut gelten hier Wettersituationen, die Steiggeschwindigkeiten von 2-3
m/s und Steighöhen von mehr als 1200 m über Grund erlauben. An besonders guten Tagen
werden auch schon mal 5 m/s und 2500 m erreicht. In anderen Gegenden der Welt können
thermische Aufwinde auch bis zu 8 m/s und Steighöhen von 4000 m und mehr erbringen. Noch
größere Steigwerte und Höhen erreicht man normalerweise nur noch mit einer anderen
Aufwindart, dem Wellenaufwind.
Der Wellenaufwind
Beobachtet man einen schnell fließenden Gebirgsbach, in dem ein großer
Stein oder Fels liegt, so bemerkt man oft folgende Situation: Beim Überfließen des
Hindernisses bildet das Wasser einen Buckel und hinter dem Hindernis eine Art Tal. Etwas
dahinter folgt ein weiterer Buckel, obwohl sich an dieser Stelle kein Hindernis mehr
befindet. Was man dort beobachtet, ist eigentlich nichts anderes als eine Welle, nur daß
diese sich immer an der gleichen Stelle befindet, da sich anstelle der Welle das Wasser
fortbewegt.
In der Atmosphäre kann genau das gleiche Phänomen auftreten, vorausgesetzt, die
Luftmasse verhält sich ähnlich wie das strömende Wasser, was bei einer stabilen
Luftschichtung tatsächlich der Fall ist. An die Stelle der Steine treten Bergketten, die
quer zur Windrichtung liegen. Insofern sind die Verhältnisse ganz ähnlich wie beim
Hangwind. Befindet sich nun genau dort, wo die Nachschwingung wiederum einen Wellenberg
hat, eine weitere Bergkette, wird dieser Wellenberg durch einen Resonanzeffekt deutlich
höher sein, als der über der ersten Bergkette. Im Unterschied zum Hangwind findet man in
bei Wellenaufwinden die besten Steigmöglichkeiten nicht an der ersten Bergkette, sondern
erst dahinter, also bei der zweiten oder dritten Welle. Daher spricht man auch von
sogenannten Leewellen (Lee = windabgewandte Seite).
Das Vorhandensein von Bergen ist nun nicht, wie man meinen könnte, unbedingt erforderlich
für die Entstehung von Wellenaufwinden. Auch andere Erscheinungen in der Atmosphäre
können solche Aufwinde erzeugen, man spricht dann von Scherungswellen oder auch
thermischen Wellen.
Wellenaufwinde können bis in die Stratosphäre reichen. Dabei werden
Steiggeschwindigkeiten von mehr als 15 m/s erreicht, wie sonst nur im Gewitter, aber ohne
die gefährlichen Turbulenzen. Die größte dokumentierte Höhe, die ein Segelflugzeug
jemals erreicht hat, beträgt über 16000 Meter. Der anerkannte Höhenweltrekord liegt
dagegen bei fast 15000 Metern. Flüge in solchen extremen Höhen sind aufwendige Projekte,
die eine lange Vorbereitung benötigen und bei denen extreme Anforderungen an die
Ausrüstung des Piloten gestellt werden. Vor allem die Wärmeisolierung des Druckanzuges
und die Zuverlässigkeit der Sauerstoffversorgung bei Temperaturen von unter -50 °C sind
besonders wichtig. Fast schon überflüssig zu sagen, daß auch die körperliche
Konstitution des Piloten außerordentlich stabil sein muß. Gewöhnliche Segelflugzeuge
hingegen können schon von sich aus in solchen Höhen fliegen und müssen noch nicht
einmal modifiziert werden.
In weniger extremen Höhen bis etwa 8000 m reichen eine einfachere Sauerstoffanlage und
warme Kleidung aus. Ein Flug in der Welle ist ein sehr beeindruckendes Erlebnis, das mit
einer Aussicht verbunden ist, die man sonst nur aus Fenstern von Verkehrsflugzeugen kennt.
Wie steuert man ein Segelflugzeug?
Gesteuert wird ein Flugzeug im wesentlichen mit den Rudern ( Höhenruder, Seitenruder und Querruder, siehe rechte Grafik), die eine Auftriebsveränderungen an
den Tragflächen, am Seitenleitwerk und am Höhenleitwerk bewirken. Dadurch ist es dem
Piloten möglich, das Segelflugzeug um alle drei Achsen im Raum (siehe linke Grafik)
drehen zu können. Darüber hinaus gibt es noch Landehilfen, wie z.B. die Bremsklappen oder die Wölbklappen
oder den Bremsfallschirm, die das Profil der Tragflächen für den jeweiligen Flugzustand
optimieren.

Ein Pilot hat im wesentlichen zwei Bedienelemente zur Steuerung seines Flugzeuges. Zum
einen den Steuerknüppel, der sowohl nach vorne (drücken) und nach hinten (ziehen) als
auch nach links und rechts bewegt werden kann, und zum anderen die Pedale, die entweder
mit dem linken oder dem rechten Fuß getreten werden können. Diese Steuerorgane reichen
aus, um das Flugzeug um alle drei Achsen zu bewegen können. Alle anderen zusätzlichen
Elemente, wie z.B. Brems- und Wölbklappen, auf die später noch eingegangen wird, dienen
lediglich dazu, die Gleiteigenschaften des Flugzeuges zu verbessern oder zu
verschlechtern, um z.B. präzisere Landungen durchführen zu können.
Das Höhenruder
Am einfachsten zu verstehen ist die Funktion des Höhenruders. Es befindet sich am Ende
des Höhenleitwerkes, und es dient dazu, Drehungen um die Querachse durchzuführen
(Nicken). Wenn der Pilot den Steuerknüppel nach vorne drückt, wird das Höhenruder nach
unten ausgelenkt. Dadurch entsteht ein Auftrieb am Höhenleitwerk, der Schwanz des
Flugzeuges wird angehoben, und sich die Nase bewegt sich nach unten. Das Ziehen des
Knüppels bewirkt genau das Gegenteil: Das Höhenruder wird nach oben ausgelenkt und
erzeugt dadurch einen Abtrieb, der den Schwanz nach unten zieht und die Nase anhebt. Also:
Steuerknüppel drücken - Nase nach unten, Steuerknüppel ziehen - Nase nach oben.
Die Bewegung der Nase nach unten bewirkt, daß das Segelflugzeug auf einer steileren Bahn
nach unten gleitet. Es wird schneller, verliert aber auch schneller an Höhe.
Dementsprechend führt ein Anheben der Nase zu einer Geschwindigkeitsabnahme und zu einem,
wenn auch kurzfristigen, Höhengewinn.
Das Seitenruder
Das Seitenruder befindet sich hinten am Seitenleitwerk des Flugzeuges. Es kann mit den
Pedalen entweder nach links (linkes Pedal treten) oder nach rechts (rechtes Pedal treten)
ausgelenkt werden. Es dient dazu, das Flugzeug um die Hochachse zu drehen (Gieren).
Eine Auslenkung nach links bewirkt einen Unterdruck auf der rechten Seite des
Seitenleitwerks, und die Flugzeugnase dreht sich nach links. Eine Rechtsdrehung wird genau
umgekehrt ausgeführt.
Also: Linkes Pedal treten - Flugzeug dreht nach links, rechtes Pedal treten - Flugzeug
dreht nach rechts.
Allerdings reicht das Seitenruder allein nicht für einen sauberen Kurvenflug. Ähnlich
wie ein Fahrrad muß sich auch ein Segelflugzeug "in die Kurve legen", um nicht
aus der Kurve herausgetragen zu werden. Zu diesem Zweck gibt es noch zwei weitere Ruder -
die Querruder.
Die Querruder
Die Querruder befinden sich jeweils am äußeren Ende der Tragflächen und werden wie das
Höhenruder mit dem Steuerknüppel bewegt. Bewegt man den Knüppel nach rechts, so wird
das rechte Querruder nach oben ausgelenkt, wodurch dort Abtrieb erzeugt wird (siehe
Höhenruder). Gleichzeitig wird das linke Querruder nach unten ausgelenkt und erzeugt
Auftrieb. Die rechte Fläche senkt sich, und die linke Fläche hebt sich. Diese Drehung um
die Längsachse wird "Rollen" genannt.
Ein sauberer Kurvenflug kann weder mit den Querrudern noch mit dem Seitenruder allein
durchgeführt werden. Man muß immer beide Ruder koordiniert betätigen.
Also: Linkes Pedal treten und Steuerknüppel nach links - Kurve links, rechtes Pedal
treten und Steuerknüppel nach rechts - Kurve rechts.
Die Bremsklappen
Um den Gleitwinkel eines Segelflugzeuges beim Endanflug steuern zu können, kann der Pilot
Bremsklappen (oder auch Störklappen) betätigen. Sie fahren aus den Tragflächen
senkrecht zur Luftströmung aus und dienen dazu, den Luftwiderstand zu erhöhen sowie den
Auftrieb zu verringern, um die Gleiteigenschaften des Flugzeuges zu verschlechtern. Manche
Flugzeuge benutzen einen Bremsfallschirm, dessen Funktion die gleiche ist, wie bei den
Bremsklappen. Er hat allerdings den Nachteil, daß er nicht wieder eingezogen werden kann.
Wenn der Bremsfallschirm zu früh ausgefahren wurde und der Gleitpfad zu steil ist,
besteht notfalls die Möglichkeit, den Fallschirm abzuwerfen.
Die Wölbklappen
Die Wölbklappen befinden sich am hinteren Ende des Tragflügelprofils und dienen dazu,
daß Profil an unterschiedliche Fluganforderungen anzupassen. Beim Schnellflug braucht man
zum Beispiel einen möglichst geringen Luftwiderstand, wohingegen beim Landen eine
größere Autriebserhöhung (langsameres Sinken) und einen größeren Widerstand
(Fahrtminderung) von Vorteil ist.
Welche Instrumente hat ein Segelflugzeug?

Zur Standardinstrumentierung in einem Segelflugzeug gehören der Fahrtmesser,
der Höhenmesser, der Kompaß, das Funkgerät
und der Faden. Das Variometer unterstützt
den Segelflieger bei der Suche nach Thermik, indem es die Steig- oder
Sinkgeschwindigkeiten anzeigt. Die Auswahl an Variometern reicht von der mechanischen
Version, über das elektrische Variometer mit Sollfahrtgeber und
Endanflugrechner bis hin zum Variometersystem mit GPS -Kopplung,
welches Dank Satellitennavigation ständig Informationen über die momentane Position, die
nächsten erreichbaren Flugplätze oder den Kurs, die Entfernung und die benötigte Höhe
für einen Endanflug zum programmierten Ziel liefert. Im Wettbewerbssegelflug gehört auch
das GPS inzwischen schon zur Standardausrüstung. Weitere Instrumente,
die jedoch nicht zur Standardinstrumentierung eines Segelflugzeugs gehören, sind u.a. der
Wendekoordinator, der Transponder und der künstliche
Horizont u.v.m.
Der Höhenmesser
Der Höhenmesser
ist im Prinzip nichts anderes als ein empfindliches Barometer zur Messung des Luftdrucks.
Zur Anzeige der Höhe ist er in Fuß oder Meter über Normalnull (QNH) oder über
Flugplatzhöhe (QFE) geeicht.
Funktionsweise: Der Höhenmesser ist an den statischen Druck (Statikport)
angeschlossen. Der Luftdruck im Höhenmessergehäuse wird geringer, wenn das Luftfahrzeug
steigt, und größer, wenn das Luftfahrzeug sinkt. Wenn der Druck beispielsweise abnimmt,
dehnt sich ein hermetisch dichter Behälter aus; nimmt der Druck zu, zieht er sich wieder
zusammen. Diese Volumenänderung wird über eine Mechanik auf die Anzeigenadel des
Höhenmessers übertragen, die sich - ähnlich wie das Zifferblatt einer Uhr - auf einer
in Fuß (oder Metern) geeichten Rundskala dreht.
Ablesen des Höhenmessers: Viele Segelflugzeuge sind mit Zweizeiger-Höhenmessern
(siehe Grafik) ausgestattet, wobei die längere Nadel die Höhe in Einheiten von hundert
und die kürzere die Höhe in Einheiten von tausend Fuß anzeigt. Wenn beispielsweise wie
hier die lange Nadel auf 4 zeigt und die kurze genau zwischen den Ziffern 1 und 2 steht,
fliegen Sie in 1.400 Fuß (427 m) Höhe.
Einstellen des Höhenmessers: Damit der Höhenmesser die richtige Höhe anzeigt,
muß er auf den auf Meereshöhe (QNH) oder Flugplatzhöhe (QFE) bezogenen barometrischen
Luftdruck eingestellt werden. Diese Einstellung erscheint in einem kleinen Fenster
zwischen den Ziffern 7 und 8 auf der Skala. Vor dem Start muß der Pilot den Höhenmesser
an einem Drehknopf auf den aktuellen Luftdruck einstellen. Anschließend zeigt der
Höhenmesser bei richtiger Einstellung die Flugplatzhöhe (QNH), bzw. Null (QFE) an.
Der Fahrtenmesser
Der Fahrtmesser
ist ein Differenzdruckmeßgerät. Er mißt die Differenz zwischen dem Druck der in das
Staurohr eintretenden Luft und dem statischen Druck der relativ unverwirbelten Luft, durch
die sich das Luftfahrzeug bewegt. Über eine Nadel wird anschließend die Druckdifferenz
als relative Geschwindigkeit zur Umgebungsluft angezeigt. Somit gehört der Fahrtmesser zu
den wichtigsten Instrumenten an Bord eines Luftfahrzeuges.
Funktionsweise: Der Fahrtmesser ist das einzige Instrument, das sowohl an das Staurohr
als auch an das Statikdrucksystem angeschlossen ist. Die Luft im Fahrtmessergehäuse
stammt aus dem Statiksystem und liefert den Bezugsdruck für eine dehnbare Membran. Die
Luft, von der das Staurohr im Flug angeströmt wird, gelangt ins Innere der Membran, die
sich um so mehr ausdehnt, je größer der Staudruck (also die Fahrt) wird. Die
Volumenausdehnung der Membran wird über eine Mechanik auf den Drehzeiger des Fahrtmessers
übertragen, der nun die Fluggeschwindigkeit des Luftfahrzeugs anzeigt.
Farbmarkierungen: Die Farbmarkierungen kennzeichnen die Geschwindigkeitsbereiche
des jeweiligen Segelflugzeuges. Es bedeuten:
| Unterhalb Grün: |
Nicht flugfähig, da die Mindestgeschwindigkeit unterschritten ist. Absturzgefahr.
Durch Nachdrücken Geschwindigkeit aufholen. |
| Grün: |
Sichere Geschwindigkeit, das Segelflugzeug ist auch bei Böigkeit ohne
Beschränkung voll manövrierfähig. |
| Gelb: |
Vorsicht! Nur Flug in ruhiger Luft erlaubt. Keine harten Steuerbewegungen und kein
hartes Abfangen. |
| Rot: |
Größte zulässige Höchstgeschwindigkeit bei ruhiger Luft. Sie darf auf keinen
Fall überschritten werden! |
| Weiß |
Zulässiger Geschwindigkeitsbereich für das Ausfahren der Bremsklappen. |
| Gelbes Dreieck: |
Das gelbe Dreieck gibt die empfohlene Geschwindigkeit bei ruhiger Luft für den
Landeanflug an. |
Alle Geschwindigkeitsbereiche sind von Flugzeugmuster zu Flugzeugmuster
unterschiedlich.
Das Variometer
Das
Variometer zeigt die vertikale Steig- oder Sink- geschwindigkeit (in m/s) des
Segelflugzeuges relativ zur Umgebungsluft an.
Funktionsweise: Das Variometer ist an das Staurohr/ Statikdrucksystem angeschlossen. Der
Druck im Instrumenten- gehäuse wird also geringer, wenn das Luftfahrzeug steigt, und
größer, wenn das Luftfahrzeug sinkt. Im Variometergehäuse ändert eine hermetisch
dichte Druckdose, ähnlich der im Höhenmesser, ihr Volumen in Abhängigkeit vom
statischen Druck. Diese Volumen- änderung wird auf eine Anzeigenadel übertragen, die
sich auf einer Kreisskala bewegt und anzeigt, mit welcher Geschwindigkeit das Luftfahrzeug
steigt oder sinkt. Möglich wird dies, weil die Druckdose eine exakt dimensionierte
Ausgleichsöffnung aufweist, über die die Luft zwischen Variometer und Umgebung hin- und
herströmen kann. Dadurch gleichen sich Innen- und Außendruck langsam aus, und die Nadel
zeigt schließlich den Wert der aktuellen Steig- oder Sinkgeschwindigkeit an. Je nach
Bauform unterscheidet man z.B. zwischen Dosenvariometern, Stauscheibenvariometern und
Flüssigkeitsvariometern, die jeweils unterschiedliche Dämpfungseigenschaften und
Anzeigegeschwindigkeiten (Zeitkonstanten) haben.
Das E-Vario
Das elektrische Variometer hat die gleiche Funktion wie
das normale Variometer, hat jedoch darüber hinaus noch
die Möglichkeit, dem Piloten die für die momentane Situation (steigende oder sinkende
Luftmasse) günstigste Geschwindigkeit vorzuschlagen - dadurch kann die größtmögliche
Leistung erzielt werden. Moderne elektrische Variometer messen den
Ausgleichsluftstrom zwischen dem äußeren statischen Druck und dem Ausgleichsgefäß mit
Hilfe eines Hitzedrahtes. Im Vergleich zu den mechanischen Variometern sind sie besonders
reaktionsschnell und bieten darüber
hinaus die Möglichkeit, die angezeigten Steigwerte auch akustisch auszugeben. Dadurch
kann sich der Pilot beim Thermikfliegen voll und ganz auf die Beobachtung des Luftraumes
konzentrieren. Einziger Nachteil: Es benötigt Strom, der beim Segelflugzeug ja nicht wie
beim Auto durch die Lichtmaschine erzeugt werden kann, sondern mittels eines Akkus
mitgenommen werden muß.
Das Funkgerät
Das Funkgerät dient der Verständigung zwischen Segelflugzeug
und Bodenfunkstellen (z.B. Flugplatz, Startstelle, etc.) und zwischen Segelflugzeugen,
beispielsweise auf Überlandflügen. Insbesondere dient es zum Einholen von Start-, Lande-
und Wetterinformationen auf fremden Flugplätzen und zur Verständigung zwischen
alleinfliegenden Flugschülern und dem Fluglehrer. Dies ist sehr wichtig, da Flugschüler
ja sehr wenig Flugerfahrung besitzen und der Fluglehrer so Anweisungen über Funk erteilen
kann. Weitere Anwendung findet das Funkgerät beispielsweise bei Flugzeugschlepps, hier
dient es der Verständigung zwischen Segelflugzeug und Schleppflugzeug. Um am Flugfunk
teilnehmen zu dürfen, benötigt man ein spezielles
Funksprechzeugnis für den Flugfunk, das sogenannte BZF, das Bestandteil der Ausbildung
zum Segelflugzeugführer ist.
Der Wendekoordinator
Der Wendekoordinator ist ein Kreiselinstrument und wird
normalerweise elektrisch angetrieben. Er besteht eigentlich aus zwei Instrumenten. Der
Teil mit dem Kreisel zeigt die Drehgeschwindigkeit des Luftfahrzeugs an, d.h. die
Geschwindigkeit, mit der das Luftfahrzeug seine Richtung ändert. Der andere Teil, das
sogenannte "Inklinometer" oder auch "Slip/Skid-Anzeiger", ist ein
Glasröhrchen mit einer Kugel, das als Neigungsmesser dient. Hierdurch ist eine
Beurteilung möglich, wie sauber eine Kurve geflogen wird, d.h. wie gut der Kurvenflug
"koordiniert" ist.
Der Wendekoordinator kommt im Segelflugzeug eigentlich nicht zum Einsatz (außer z.B. beim
Wolkenflug). Er ist hauptsächlich in modernen Leichtflugzeugen und Motorseglern
vorzufinden. Ältere Luftfahrzeuge sind häufig noch mit einem ähnlichen Instrument
ausgestattet, dem sogenannten "Wendezeiger". Der Wendezeiger liefert dieselben
Informationen wie der Wendekoordinator, wenn auch in einer anderen Darstellungsform: Hier
wird die Drehgeschwindigkeit nicht über das Flugzeugsymbol, sondern in
"Pinselbreiten" angezeigt.
Funktionsweise: Das Kreiselsystem im Wendekoordinator ist normalerweise unter einem Winkel
von 30° eingebaut. Wenn das Luftfahrzeug eine Kurve fliegt, bewirken die dabei
auftretenden Kräfte, daß der Kreisel präzediert. Je nach Kreiselpräzessionsrate neigt
sich dabei das Flugzeugsymbol des Wendekoordinators nach links oder rechts. Je schneller
die
Winkelgeschwindigkeit ist, desto größer sind auch die Kreiselpräzession und die
Querneigung des Flugzeugsymbols.
Normalkurve: Wenn eine Flügelspitze des Flugzeugsymbols auf einen der mit "L"
und "R" gekennzeichneten Striche zeigt, fliegt das Luftfahrzeug eine sogenannte
Normalkurve, bei dem die Winkelgeschwindigkeit ca. 3° pro Sekunde beträgt. Für einen
360°-Vollkreis benötigt das Luftfahrzeug somit genau zwei Minuten. Die schwarze Kugel in
der Libelle bleibt zwischen den beiden senkrechten Hilfslinien stehen, wenn sich die im
Kurvenflug auftretenden Luftkräfte gerade ausgleichen und das Luftfahrzeug somit eine
koordinierte Kurve fliegt. Wenn die Kugel jedoch zur Kurveninnenseite rollt, fliegt das
Luftfahrzeug eine Rutschkurve; rollt sie zur Außenseite, fliegt das Luftfahrzeug eine
Schiebekurve.
Der Faden
Ein einfaches aber feines Instrument zum
sauberen Fliegen ist ein dünner Wollfaden, der auf der Cockpithaube im freien Luftstrom
angebracht ist. Zeigt er in Richtung Rumpflängsachse nach hinten, so fliegt man sauber,
weicht er nach links oder rechts aus, wird das Flugzeug seitlich angeblasen und schiebt
(z.B. beim Slip). Dies ist sehr wichtig zu wissen, da bei niedrigen Geschwindigkeiten das
Flugzeug in eine Trudelbewegung übergehen kann, wenn es seitlich angeblasen wird.
Das GPS
Eine neue Technik, die
erst vor fünf bis sechs Jahren Einzug in den Segelflugsport gehalten hat, ist das GPS
(engl. global positioning system). Dieses vom amerikanischen Militär betriebene System
ermöglicht mit Hilfe von Satellitennavigation eine Positionsbestimmung auf ca.
20 Meter
genau. GPS-Empfänger gibt es sowohl als Einbaugerät (siehe Grafik) als auch als
Handgeräte. Moderne GPS-Geräte besitzen interne Datenbanken, in denen Flugplätze,
Luftraumstrukturen usw. verzeichnet sind und dienen damit als exzellente Navigationshilfe.
Mit Hilfe eines GPS-Empfängers lassen sich eine Vielzahl von Daten einfach abrufen,
beispielsweise die momentane Position, die nächsten erreichbaren Flugplätze oder den
Kurs, die Entfernung und die benötigte Höhe für einen Endanflug zum programmierten
Ziel. Aufgrund dieser Vorteile entwickelt sich das GPS immer mehr zu einem
Standardinstrument bei Wettbewerben, aber auch bei einfachen Überlandflügen. Zudem ist
es mit sogenannten GPS-Loggern relativ einfach möglich, seinen Flugweg, die Höhen und
Geschwindigkeiten aufzuzeichnen und so seine Flüge zu dokumentieren. Allerdings ist das
GPS immer nur ein Zusatzinstrument zur normalen Navigation mit Kompaß und Karte - bei
letzteren gibt es nämlich keine Batterien, die leer werden können.
Gibt es Literatur übers Segelfliegen ?
Winfried Kassera, Flug ohne
Motor, 308 S., Euro 26,-
Ein bewährtes Buch, hauptsächlich für Anfänger des Segelflugs und als Begleitbuch zum
theoretischen ABC Unterricht.
Winfried Kassera, Der lautlose
Flug, 160 S., 56 Fotos, 20 Zeichnungen, ca. 20,- Euro
Ein Buch über die Segelflugerlebnisse des Autors. In einzelnen Kurzgeschichten werden
Erlebnisse mit dem Segelflugzeug berichtet und erklärt, so daß jeder es verstehen kann.
Alexander Willberg, Segelfliegen
für Anfänger 197 S. 26,- Euro
Sehr gutes Buch, daß Theorie und Praxis anschaulich
vereint.
Manfred Kreipl, Mit dem Wetter
Segelfliegen, 148 S., zahlreiche Abb., ca. 25,- Euro
Das Wettergeschehen wird vom Autor speziell für den Segelflieger dargestellt, so daß man
in Zukunft das eine oder andere Wettergeschehen voraussehen kann und manche
wetterspezifische Fragen geklärt werden.
Manfred Kreipl, Wolken Wind und
Wellenflug, 146 S., zahlreiche Abb., DM
49,-
Ein meteorologischer Wegweiser für den Leistungssegelflug und die Wahl des richtigen
Flugvorhabens.
Manfred Kreipl, Das
Thermik-Handbuch, 116 S., 59 Abb., 16,- Euro
Grundlegende Dinge über die Thermik werden beschrieben. Das Buch ist nicht speziell für
Segelflieger, sondern beschreibt auch die Auswirkungen der Thermik auf Drachenflug,
Fallschirmspringen, Ballonfahrt, Modellflug und UL-Flug.
Helmut Reichmann, Streckensegelflug, 184 S., 130 dreifarbige Zeichnungen,
36,- Euro
Die Bibel für Einsteiger aber auch Profis in Leistungs- und Wettbewerbssegelflug.
Helmut Reichmann, Segelfliegen, 128 S., 70 Abb.,
26,- Euro
Das leichtverständliche Buch des Segelflugweltmeisters ist ein Lehrbuch für die Praxis
und erklärt das richtige Verhalten in der Praxis des Segelflugs. Es werden grundlegende
Aspekte zum sicheren und gutem Segelflug dargelegt.
Georg Brütting, Die berühmtesten
Segelflugzeuge, 226 S., 270 Abb., ca. 20,- Euro
Das Buch beschreibt die berühmtesten Segelflugzeuge die es je gab, aber auch in
Verbindung der Piloten, die sie geflogen haben. Es beinhaltet teilweise die
Segelfluggeschichte und der Drang immer bessere und leistungsfähigere Segelflugzeuge zu
bauen, die den Luftraum erobern.
Dietmar Geistmann, Segelflugzeuge in
Deutschland, 300 S., zahlreiche
Fotos, ca. 35,- Euro. Der Segelflugzeugbau in Deutschland seit '45. Ein Typenhandbuch mit
technischen Daten und ausführlicher Beschreibung.
Frank Franke und Helmut Reichmann, Lautlos mit dem
Wind, 144 S., ca. 35,- Euro
Der größte Segelflugwettbewerb der Welt.
K.- H. Apel, Segelflug Praxis, 272 S., zahlreiche Diagramme, Fotos und
Abb., ca. 30,- Euro Das Buch ist ein Lehrbuch für Fluglehrer und Flugschüler, das sich mit
der Weiterbildung, Ausbildung und Inübunghaltung beschäftigt. Es behandelt die
verschiedenen Abschnitte der theoretischen und praktischen Ausbildung.
F. Weinholtz, D. Franzen, P. Prybylski, Der Segelflugzeugführer, 256 S.,
370 Abb., ca. 30,- Euro. Das Buch ist von Schiffmann-Verlag und ein überarbeiteter Nachfolger
des bekannten "Hesse 4". Der Segelflugzeugführer ist eins der aktuellsten
theoretischen Bücher der Ausbildung des Segelflugs und vom DAeC empfohlen.
P. F. Selinger, Segelflugzeuge: Vom Wolf zum Diskus, 256 S., 280 Abb.,
ca. 35,- Euro
Das Buch erzählt von Flugzeugbau bei Wolf Hirth und Schempp-Hirth vom Wolf 1936 bis zum
Discus 1985. |
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